Linda (19), Veronika (20) und Ksenia (20) wollen nach der Ausbildung als Au-pair in die große, weite Welt.
Warum sie sich für die Ausbildung zur Familienpflegerin im Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg (EBZ) entschieden haben? Weil sie Familien in Not helfen möchten, da sind sich die Freundinnen einig. "Kinder haben es so schwer, wenn ihre Mama krank ist", seufzt Linda. Als Familienpflegerin unterstützt sie – ähnlich wie eine Dorfhelferin - Familien in Krisensituationen im Alltag. Übernimmt je nach Einsatz den Haushalt samt einkaufen, kochen, waschen und saubermachen, hilft Schulkindern bei den Hausaufgaben, kümmert sich um Babys, die auch gern mal Fieber bekommen. "Es ist sehr wichtig, immer auf die Bedürfnisse der einzelnen Familie einzugehen", sagt Veronika, "Auch Kinder möchten ernst genommen werden."
Heidemarie Wudowenz ist Schulleiterin im EBZ und schmunzelt: "Jeder Einsatz ist wie ein 'Überraschungsei': Man weiß vorher nicht, was drin steckt!" Manchmal ist die Mutter der Familie im Krankenhaus, oft ist sie aber auch krank zu Hause. Dann hilft ihr die Familienpflegerin beim Waschen und Anziehen. "Wir haben Frauen, die frisch operiert sind oder einen Schlaganfall hinter sich haben", erzählt Wudowenz. Die Familienpflegerin muss sehr einfühlsam entscheiden: Hat die Patientin die Kraft, Chefin im Haus zu sein - oder muss ich einspringen?
Es kommt vor, dass eine Frau eine lebensbedrohliche Krankheit hat. Manche warten zum Beispiel auf ein Spenderorgan. "Das ist eine harte Erfahrung", weiß die Ausbildungsleiterin, "aber auch eine sehr bereichernde, denn in solchen Grenzsituationen entwickelt man sich persönlich ganz stark weiter." Viele Familienpflege-Schüler/innen finden es schön, während ihrer Kurzpraktika zu erleben, wie froh und dankbar die Familien für ihre Hilfe sind. Veronika sagt auch: "Ich bin während der Ausbildung erwachsener geworden." Für sie steht jetzt noch ein sechsmonatiges Berufspraktikum an.
Familienpfleger/innen haben viel Verantwortung. Darum sind je nach Bundesland, Ausbildungseinrichtung und Schulabschluss unterschiedliche Vorerfahrungen gefordert: zum Beispiel eine abgeschlossene Erstausbildung als Hauswirtschafter/in, ein Freiwilligendienst oder drei Jahre Erfahrung im eigenen Familienhaushalt. In den ersten 18 Monaten der Ausbildung ist viel Theorie angesagt: "Wir haben hier im EBZ 22 Unterrichtsfächer!", berichtet Ksenia, "Da erfahren wir unter anderem viel über Gesprächsführung und Psychologie."
In Zukunft sollen die Schüler/innen stärker auf Einsätze in modernen Patchwork-Familien vorbereitet werden. Sie lernen aber auch, sich seelisch nicht zu sehr an eine Familie zu binden. Damit das nicht passiert, bleiben Familienpfleger/innen nie länger als sechs oder acht Wochen in Vollzeit im selben Haushalt. Nach der Ausbildung können sie direkt in den Beruf einsteigen, aber je nach Bundesland auch an einer Fachhochschule zum Beispiel zum Bachelor Soziale Arbeit zugelassen werden. Oder sie machen eine Fortbildung zum/zur Haushalts-Organisations-Trainer/in (HOT) und können dann Familien bei Alltagsproblemen beraten.
Unsere drei Freundinnen haben ganz andere Pläne: Linda möchte ein Jahr lang als Au-pair in Afrika arbeiten, Veronika in Großbritannien. "Ich kann mir vorstellen, dass wir mit unserer Qualifikation als Familienpflegerin bei der Bewerbung als Au-pair gute Chancen haben werden!", strahlt die 20-Jährige. Ihr erklärtes Ziel: Später mal ihr eigenes Kinderheim zu gründen.