Maren (20) hat in vier Praktika beeindruckende Erfahrungen gemacht.
Ein Praktikum im Lebenslauf bringt dir Pluspunkte bei der Bewerbung für einen Ausbildungs- oder Studienplatz, manchmal ist es sogar Voraussetzung. Aber genauso wichtig ist es für dich selbst, deinen Berufswunsch in der Realität zu überprüfen.
„Ich habe gelernt wie man Menschen helfen kann“, sagt Sophie über ihr Praktikum. Die 15-Jährige hat in den Sommerferien zwei Wochen lang freiwillig im Krankenhaus der Diakonissenanstalt EMMAUS in Niesky, Sachsen, mitgearbeitet: "Die Patienten waren total lieb und haben sich gefreut, wenn ich ins Zimmer kam!" Früh um sieben hat Sophie Tee gekocht und den Patienten das Frühstück gebracht, später das Mittagessen. Dabei musste sie ganz schön aufpassen, dass jeder das richtige bekam! Manche Patienten durften nämlich wegen ihrer Krankheit bestimmte Dinge nicht essen. "Ich habe mich auch viel mit den Patienten unterhalten, es gab ein Zimmer, in dem ich richtig gerne war", berichtet Sophie.
Besonders toll fand sie, dass sie mit den Krankenhaus-Azubis mitgehen durfte: "Ich habe dann bei den Patienten die Temperatur im Ohr, den Puls und den Blutdruck gemessen. Ich habe auch geholfen, wenn jemand zu windeln war. Dabei habe ich mich aber schon gefragt, wie das jetzt wohl für den Patienten ist." In schwierigen Momenten hat ihr das tolle Team geholfen, sagt Sophie: "Das Klima unter den Kollegen war richtig cool, die haben mich voll mit einbezogen."
Kerstin Wiesner ist Gesundheits- und Krankenpflegerin im Krankenhaus der Diakonissenanstalt EMMAUS, Praxisanleiterin der Krankenhaus-Azubis und Betreuerin der Praktikanten. "Die Schüler können während der zwei Wochen gucken, ob die Krankenpflegeausbildung wirklich das ist, was sie wollen", sagt sie, "Die Praktikanten sollen spüren, dass jeder Mitarbeiter und jede noch so kleine Aufgabe im Krankenhaus unverzichtbar ist." Sophie hat Nachtschränke und Türklinken saubergemacht oder schmutzige Bettwäsche in die Reinigung gebracht. Vor allem aber räumt ein Praktikum mit Vorurteilen auf. "Viele junge Leute sind durch Arztserien im Fernsehen geprägt.
Da haben alle ganz viel Zeit und ein Stethoskop um den Hals", sagt Wiesner. Nach dem Praktikum weißt du wie es im Krankenhaus wirklich zugeht - und das gilt natürlich für jeden anderen Beruf auch. "In Bewerbungsgesprächen punkten Leute mit Praxiserfahrung natürlich ganz schön!", verrät die Praxisanleiterin. Und wenn du zusätzlich zum Schulpraktikum in der 9. Klasse noch ein freiwilliges Praktikum in den Ferien machst, zeigst du, dass du besonders engagiert bist. Bevor du dich für eine Berufsausbildung entscheidest, kann ein längeres Praktikum zwischen sechs Wochen und sechs Monaten nützlich sein.
Maren hat schon vier Praktika gemacht
Für manche Ausbildungen ist ein Praktikum sogar Voraussetzung. Viele Bachelorstudiengänge an Evangelischen Hochschulen schreiben ein Vorpraktikum von mindestens sechs Wochen vor. Du kannst dir in der Regel auch dein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) als Praktikum anrechnen lassen. So wie Maren (20), die inzwischen im ersten Semester Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg studiert. Nach dem Abi war Maren sechs Monate als Freiwillige in Palästina und hat dort Geigenunterricht gegeben. In der zweiten Hälfte ihres FSJs hat sie in einer Berufsschule für Menschen mit Behinderung in Stuttgart gearbeitet.
Auch während ihrer Schulzeit hat Maren schon Praktika in Einrichtungen der Behindertenhilfe und für Demenzkranke gemacht. Was sie bei ihren vier Praxiseinsätzen erlebt hat, wird sie nie vergessen. "Ich weiß noch, dass ich einmal bei einem Patienten am Bett saß, der seine Medikamente nicht nehmen wollte", erinnert sich die 20-Jährige. "Er hat sich in die Vorstellung reingesteigert, man wolle ihn vergiften." Maren wusste zuerst gar nicht, was sie machen sollte. Aber dann besann sie sich: Der Patient brauchte seine Tabletten nun mal, da ging kein Weg dran vorbei! "Ich habe so lange mit ihm geredet, bis er seine Medikamente tatsächlich genommen hat. Das war schon eine beeindruckende Erfahrung", erzählt Maren.
Solche Erfahrungen machen stark! Und sie helfen dir, den richtigen Beruf für dich zu finden. Jetzt brauchst du also nur noch einen Praktikumsplatz. Den findest du bei den Ausbildungseinrichtungen der Diakonie in deiner Nähe.