Sarah (18): "Ich möchte im FSJ herausfinden, welcher soziale Beruf zu mir passt."
Eigentlich wollte Sarah Friseurin werden. Aber seit ihrem Schulpraktikum im Altenheim interessiert sie sich mehr für die sozialen Berufe. "Ich habe gerne Menschen um mich", sagt die 18-Jährige. Sie wollte sich sozial engagieren, hatte aber keine Ahnung, wo und wie. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche ging sie darum erst mal weiter zur Schule. Machte ein schulisches Ausbildungsjahr, das auf die Ausbildung zur Familienpflegerin oder Hauswirtschafterin vorbereitet.
"Ich hab auch in einem Kindergarten gearbeitet und fand das ganz toll", erzählt Sarah. "Ich wusste, dass so was das Richtige für mich ist." Einen genauen Plan für ihre Zukunft hatte sie nach der Berufsschule trotzdem noch nicht. Das geht vielen jungen Leuten so, dir vielleicht auch. Aber es gibt einen Weg aus der Perspektivlosigkeit! Du kannst dich freiwillig in verschiedenen sozialen Arbeitsbereichen engagieren und Erfahrungen sammeln. Das geht beim Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Nach einem solchen Freiwilligendienst fällt dir die Berufswahl sicher leichter.
Sarah hat sich für das FSJ entschieden. Sie will sich orientieren und weiter an ihrem Berufswunsch im sozialen Bereich feilen. Einfach irgendwas lernen kommt nicht infrage. "Das FSJ war da genau das Richtige", sagt die 18-Jährige, "Da kommt das Wort ‚sozial‘ drin vor. Das hat mich angesprochen!" Mit ihrer Zwillingsschwester hat sie viel über ihre Pläne diskutiert. Die hat nämlich auch schon ein FSJ gemacht - in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. "Meine Schwester hat mir erzählt, was ich da machen muss und wie die Menschen da so drauf sind", sagt Sarah. Wenn du keine Schwester hast, die dir helfen kann, kannst du dich telefonisch beim Diakonie Landesverband in deiner Nähe übers FSJ, den BFD und mögliche Einsatzstellen informieren. Infos gibt’s aber auch im Internet: Ein paar Links findest du unten.
Sarah steckt inzwischen mitten im FSJ in der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung in Oschersleben - genau dort, wo auch ihre Schwester ihr FSJ gemacht hat. Die 18-Jährige geht mit Menschen mit Behinderung einkaufen, spazieren und bastelt mit ihnen. "Ich muss aber auch beim Putzen helfen oder aufräumen." Jeden einzelnen der 20 Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung hat sie in ihr Herz geschlossen. "Früher, als ich noch Friseurin werden wollte, hätte ich mir das gar nicht vorstellen können", sagt Sarah. Sie wusste: Bei einer Arbeit mit Menschen mit Behinderung darf man nicht zimperlich sein. Doch sie hat schnell gemerkt: "Ich hab keine Berührungsängste." Ein Jahr lang muss Sarah monatlich mit 335 Euro Taschengeld klarkommen, Kindergeld gibt es auch. "Ich wohne noch zu Hause. Da reicht das." Sarah hat 26 Tage Urlaub im Jahr und besucht an 25 Tagen Seminare.
"Das FSJ ist für junge Leute, die Lust auf und Interesse an einer Arbeit mit Menschen haben und sich auf andere einlassen können, genau richtig", sagt Frieder Weigmann, Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland. Eventuell wird es für dich schwierig, plötzlich zwölf Monate am Stück arbeiten zu gehen. "Es ist ein Lerndienst und den muss man sich zutrauen", sagt Weigmann, "Die Praxiserfahrung aus dem FSJ macht sich jedenfalls gut im Lebenslauf. Das FSJ eignet sich auch als Wartesemester für ein Studium oder zur Selbsterfahrung vor einer Ausbildung." Was das angeht, berät dich die Hochschule oder Ausbildungsstätte deiner Wahl. Sarah macht sich derweil viele Gedanken über ihre Zukunft. "Eine Erzieher-Ausbildung wäre was für mich", sagt sie. Auf keinen Fall will sie ins Büro. "Jeden Tag das gleiche machen und immer nur sitzen? Nee! Ich will einen Job, in dem ich nicht weiß, was der Tag bringen wird. Die Leute sollen mich immer wieder neu fordern. So wie im FSJ!"