Regina (24): Schnell hat sie gemerkt, dass hinter diesem beliebten Beruf viel mehr steckt als man denkt.
Den ersten Tag auf der Kinderstation des Klinikums Fürth wird Regina nie vergessen: Ärzte eilten zur Visite, Schwestern huschten über die Flure, in einem Krankenzimmer tobten Kinder herum. Viel Zeit zum Beobachten und Eingewöhnen blieb Regina nicht, sie wurde sofort zum Windelwechseln eingespannt! Seit diesem Tag sind knapp zwei Jahre vergangen. Regina darf längst nicht mehr nur Babys wickeln. Blutwerte messen, die kleinen Patienten zur Behandlung beim Arzt bringen, sie waschen und ihnen Frühstück machen - das alles gehört zu ihren Aufgaben. Regina verteilt Medikamente und achtet darauf, dass die Kinder sie auch nehmen. Und für die Eltern, die in dieser Situation viele Fragen haben, ist sie die erste Ansprechpartnerin. "Jeder Tag ist anders", sagt die 24-Jährige. Zum Glück! Denn langweilige Routine ist für sie der Horror.
Vor ihrer Ausbildung hat Regina ein Semester Grundschullehramt studiert. Aber schon nach wenigen Wochen merkte sie: Das Studium passt gar nicht zu mir. Mit Kindern wollte sie trotzdem arbeiten. Also bewarb sie sich an verschiedenen Krankenhäusern als Kinderkrankenschwester. In Fürth bekam sie auf Anhieb einen Platz. "Die Ausbildung ist beliebt, aber viele junge Bewerber wissen leider gar nicht, was auf sie zukommt", sagt Gabriele Fley, Reginas Ausbilderin am Klinikum Fürth.
Drei Jahre lang arbeiten die angehenden Kinderkrankenpfleger/innen in der Klinik, werden im Schichtdienst auch an Feiertagen auf der Station eingespannt. Sie sehen Kinder mit den verschiedensten Krankheiten von Asthma bis Leukämie und werden mit Heimweh und manchmal tragischen Schicksalen konfrontiert. "Das belastet viele junge Leute", sagt Gabriele Fley. Dazu kommt der Theorieunterricht.
Auch Regina hätte nicht gedacht, dass sie neben der praktischen Arbeit seitenweise Anatomie (Körperkunde) oder Pflegeanweisungen auswendig lernen muss. Dazu kommt der Papierkram, der jeden Tag auf der Station anfällt. Jeder Handgriff, jede Therapie, jedes Medikament muss genau aufgeschrieben werden, damit die Ärzte und Pfleger in der nächsten Schicht wissen, wie es den kleinen Patienten gegangen ist. Regina hat sich daran gewöhnt. Heute ist das für sie kein Problem mehr. "Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit", sagt sie.
Natürlich gibt es auch schwierige Situationen. Eine Nachtschicht ist Regina besonders in Erinnerung geblieben. Am späten Abend hatte sich der Zustand eines kleinen Jungen ziemlich schnell verschlechtert. "Der sah ganz komisch aus", sagt Regina. Schließlich entschieden die Ärzte, das Kind auf die Intensivstation zu verlegen. Regina und die anderen Krankenschwestern machten sich Sorgen. Hätten sie schneller reagieren müssen? Würde der kleine Patient bleibende Schäden zurückbehalten? Aber die Geschichte ging gut aus. Als es dem Jungen wieder besser ging, kam er zurück auf die Kinderstation und Regina und ihre Kollegen wussten, dass sie das Richtige gemacht hatten.
"Ich musste erst lernen, Distanz aufzubauen und das alles nicht so nah an mich heranzulassen", sagt die 24-Jährige. Gut, dass die älteren Kollegen den Auszubildenden immer zur Seite stehen und ihre Erfahrungen mit ihnen teilen. Wenn Regina sich etwas von der Seele reden muss, hört ihr auch die Familie zu. Um abzuschalten, geht sie regelmäßig schwimmen oder unternimmt was mit ihren Freunden. Die waren erst ganz schön überrascht, als sie erfuhren, dass Regina Kinderkrankenschwester werden will. Heute bewundern sie sie für ihre Entscheidung und wissen, dass der Job genau zu ihr passt.
Mit ihrer Ausbildung kann Regina auf der ganzen Welt arbeiten. Im Moment ist sie aber froh, erstmal in Fürth bleiben zu können. Sobald sie ihren Abschluss in der Tasche hat, will sie noch eine Weiterbildung dranhängen, sich am liebsten auf die Pflege auf der Intensivstation spezialisieren. Auch ein berufsbegleitendes Studium der Pflegepädagogik kann sie sich vorstellen. Aber eines ist sicher: "Egal was ich mache, die praktische Arbeit mit den Kindern darf nicht zu kurz kommen!"