Special Quereinsteiger


Im Bild sind unsere Tipps versteckt: Klick dich durch!

 

 

Special für Quereinsteiger

Früher Bürokauffrau, heute Heilerziehungspflegerin - verrückt? Nee, ganz normal! Menschen, die sich beruflich neu orientieren, radikal die Branche wechseln oder nach einer Pause wieder durchstarten, heißen Quereinsteiger. Oft entdecken sie im zweiten Anlauf ihren Traumberuf! Das willst du auch? Unsere FAQs erklären dir, wie der Quereinstieg in soziale Berufe klappt und was man dabei beachten muss.



Wen meint ihr überhaupt mit „Quereinsteiger“?

Wegen des Fachkräftemangels werden im sozialen Bereich gesucht:

  • Wiedereinsteiger, die nach Elternzeit, Auszeit, Auslandsaufenthalt o.ä. wieder zurückkehren möchten,
  • Umsteiger, also Menschen, die in anderen Branchen aufhören müssen, weil sie einen Arbeitsunfall hatten oder weil es keine Jobs gibt,
  • Querdenker, die eigentlich erfolgreich in einer anderen Branche tätig sind, aber jetzt lieber einen Beruf „mit Sinn“ machen möchten,
  • Menschen mit Migrationshintergrund, die mit einem ausländischen Berufsabschluss in Deutschland in einen Sozial- oder Pflegebereich einsteigen möchten.

Alle diese zusammen nennen wir Quereinsteiger.

Bin ich der Typ für einen Quereinstieg in die Sozial- und Pflegeberufe?

Das findest du entweder mit unserem Quereinsteiger-Test oder mit einem Bundesfreiwilligendienst (BFD) heraus.

Welche Sozial- und Pflegeberufe eignen sich für Quereinsteiger?

Eigentlich alle. Eine Berufeübersicht findest du hier. In einigen Bereichen ist der Fachkräftemangel sehr groß: Als Altenpfleger oder Erzieher hast du als Quereinsteiger deshalb besonders gute Zukunftsaussichten. Die Ausbildung zum Arbeitserzieher ist speziell für Quereinsteiger konzipiert.

Wie kann ich in den sozialen Bereich einsteigen?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder entscheidest du dich für eine klassische 3-jährige Ausbildung oder du machst eine kürzere Helferausbildung. Im Pflegebereich gibt es auch drei- bis sechsmonatige Basiskurse, wonach du anschließend als Hilfskraft in Einrichtungen arbeiten kannst. Viele Quereinsteiger möchten schnell einsteigen. Trotzdem ist in den meisten Fällen die "lange" Ausbildung die bessere Wahl: Fachkräfte mit anerkanntem Abschluss werden stärker gesucht. Als Hilfskraft verdienst du weniger und kannst in seriösen Einrichtungen nicht eigenverantwortlich arbeiten. Auch für eine spätere Weiterqualifizierung bringt dir die Helferausbildung nicht unbedingt Vorteile. Wenn du es mit deinem Quereinstieg ernst meinst und dir eine gute Ausgangsposition für dein restliches Berufsleben sichern willst, machst du also am besten eine ganz normale 3-jährige Ausbildung (oder Studium) wie alle anderen auch. Quereinsteiger interessieren sich oft für Teilzeitausbildungen oder berufsbegleitende Ausbildungen und Studiengänge, weil sie von Anfang an nebenher arbeiten und Geld verdienen können.

Für Berufe mit extremem Fachkräftemangel wie Altenpfleger oder Erzieher gibt es in den verschiedenen Bundesländern verschiedene Sonderregelungen für Quereinsteiger. Die könnt ihr googeln z.B. unter "Quereinstieg als Erzieher in Bayern". Hier hier gibt es z.B. die Regelungen für den Quereinstieg als Erzieher in Berlin und in den anderen Bundesländern.

In welchen Fällen macht der schnelle Einstieg Sinn?

Ob du dich für einen schnellen Einstieg oder eine reguläre Ausbildung entscheidest, hängt meistens von deinen Lebensumständen ab: Bist du bereit dazu, nochmal mehrere Jahre lang "Schüler" zu sein und dich auf neues Wissen einzulassen? Hast du den Rückhalt deiner Familie? Unterstützt dein Partner das Vorhaben und kann dich entlasten, wenn du Zeit und Ruhe zum Lernen brauchst? Ist deine Antwort auf diese Fragen "Nein", dann kann für dich die Helferausbildung oder ein Pflegebasiskurs die bessere Option sein (Nachteile siehe oben). Oft spielt auch deine finanzielle Situation eine wichtige Rolle: Wie viel möchtest oder musst du kurz- und langfristig verdienen? Willst du so schnell wie möglich eine Stelle im Sozial- und Pflegebereich in der Nähe deines Wohnorts, dann frag am besten direkt bei der Einrichtungen nach: Werden gerade Hilfskräfte gesucht? Dann stehen deine Chancen gut, dort nach einer Helferausbildung direkt angestellt zu werden.

Wie stelle ich sicher, dass ich bei der zweiten Berufswahl auch wirklich das Richtige aussuche?

Gründlich informieren ist angesagt! Hier auf www.soziale-berufe.com gibt's jede Menge Filme, Tests und persönliche Berichte zu allen Berufsbildern im Sozial- und Pflegebereich. Infotage oder Berufsmessen sind eine super Gelegenheit, Azubis kennenzulernen und sich die Details der Ausbildung ganz genau erklären zu lassen. Am besten du sprichst nicht nur mit Einrichtungsleitern, sondern auch mit Leuten, die genau den Job machen, für den du dich interessierst. Einige Einrichtungen bieten Berufsberatungen an – vereinbare einen Termin! Die mit Abstand beste Möglichkeit, deinen neuen Wunschberuf kennenzulernen, ist natürlich, eigene Erfahrungen zu sammeln! Während eines Praktikums, einer Hospitation oder eines Freiwilligendienstes merkst du schon nach ein paar Tagen, ob du im sozialen Bereich richtig bist und ob deine Vorstellungen mit dem Arbeitsalltag übereinstimmen.

Wie finanziere ich die Ausbildung?

Quereinsteiger haben leider kein generelles Recht auf finanzielle Unterstützung. Aber in bestimmten Fällen vergibt die Arbeitsagentur einen "Bildungsgutschein" für die neue Ausbildung: Damit garantiert sie dem Azubi, alle anfallenden Kosten (Schulgeld, Prüfungsgebühren oder Fahrtkosten) für seine Ausbildung zu übernehmen. Zusätzlich dazu kann der Azubi noch Arbeitslosengeld beantragen. Leider ist der Gutschein zeitlich beschränkt: Nur für die Altenpflegeausbildung kannst du während der ganzen drei Jahre eine Förderung bekommen, bei allen anderen Ausbildungen werden nur die ersten beiden Jahre gefördert. Das dritte Ausbildungsjahr müsstest du also in jedem Fall selbst finanzieren. Weitere Tipps dazu haben wir hier zusammengetragen. Auch die Kollegen vom Erzieherprojekt "Vielfalt, Mann!" haben gute Infos zum Thema Finanzierung der Ausbildung.

Wie kann ich einen Bildungsgutschein zur Finanzierung meiner Ausbildung bekommen?

Bildungsgutscheine werden von der Arbeitsagentur vergeben. Leider bekommen nur wenige Quereinsteiger diese finanzielle Unterstützung. Vermittlung geht dort vor Förderung. Du kannst also nur dann gefördert werden, wenn du in deiner "alten" Branche nicht weitervermittelt werden kannst. Möchtest du deinen Beruf wechseln, solltest du zuerst einen Termin mit der Arbeitsagentur vereinbaren. Dort wird geprüft, ob du die Voraussetzungen erfüllst. Hast du die Zusage für einen Bildungsgutschein bekommen, bewirbst du dich anschließend bei den Einrichtungen. Das gilt sowohl für die Förderung einer regulären Ausbildung als auch einer Helferausbildung. Ein Tipp noch: Letztendlich entscheidet der Sachbearbeiter bei der Arbeitsagentur, ob du gefördert wirst. Liefere ihm stichhaltige Argumente! Wenn du nachweisen kannst, dass die Vermittlungschancen in deinem bisherigen Beruf schlecht sind und du dich bereits erfolglos beworben hast, ist es wahrscheinlich, dass du einen Bildungsgutschein bekommst. Du solltest auch erklären können, warum du in den sozialen Bereich möchtest und zeigen, dass du gut darüber Bescheid weißt. Wenn du trotzdem keine staatliche Unterstützung bekommst, findest du hier weitere Tipps zur Finanzierung der Ausbildung.

Unter welchen Voraussetzungen werde ich als Quereinsteiger im sozialen Bereich genommen?

Das Wichtigste zuerst: Du solltest eine klare Vorstellung von dem haben, was dich im neuen Beruf erwartet! Nach einem Praktikum im sozialen Bereich sind deine Startbedingungen für eine Ausbildung sehr viel besser. Quereinsteiger sollten Lernbereitschaft und die Lust mitbringen, neue Herausforderungen anzugehen und sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln. Im sozialen Bereich werden Menschen gesucht, die einfühlsam, hilfsbereit, offen und freundlich sind. Wichtig sind natürlich auch körperliche Fitness, eine gesunde Lebensweise und Teamfähigkeit, sowie eine stabile Persönlichkeit. Du solltest gut kommunizieren können und verantwortungsbewusst mit anderen Menschen umgehen. Die Arbeitsagentur bietet kostenlose gesundheitliche und berufspsychologogische Tests an, mit denen du herausfinden kannst, ob du im sozialen Bereich richtig bist. Oder mach doch einfach gleich online unseren Quereinsteiger-Test!

Bis zu welchem Alter lohnt sich der Quereinstieg in die Sozial- und Pflegeberufe?

Es gibt keine Obergrenze für den Quereinstieg. Im Sozial- und Pflegebereich ist es nicht ungewöhnlich, dass ältere Schüler in den Ausbildungsklassen sitzen. Einrichtungen nehmen gern ältere Auszubildende, da sie sich meistens bewusst für diese Ausbildung entscheiden und keine falschen Erwartungen haben. Aber Sozial- und Pflegeberufe sind körperlich anstrengend: Mit Kitakindern auf dem Boden krabbeln oder als Altenpfleger Senioren aus dem Bett heben – da musst du fit sein. Es kommt also darauf, dass du sich selbst ehrlich einschätzt: Traust du dir die Arbeit gesundheitlich zu? Dann ist dein Alter nebensächlich. Mancher ist mit Ende 50 besser in Form als andere mit Anfang 30.

Was erwartet mich beim Bewerbungsgespräch?

Quereinsteiger bekommen die gleichen Fragen gestellt wie alle anderen Bewerber auch. Aber die Schul- und Einrichtungsleiter interessieren sich natürlich besonders für deinen bisherigen Lebenslauf: Welchen Beruf hattest du vorher? Warum soll es jetzt in den sozialen Bereich gehen? Du solltest deine Umorientierung gut begründen können. Außerdem wirst du gefragt, wie gut du dich über das neue Berufsfeld informiert hast: Kennst du die typischen Tätigkeiten deines Wunschberufs? Kannst du dir vorstellen, im Schichtdienst und an Wochenenden zu arbeiten? Hast du schon ehrenamtliche Erfahrungen oder Praktika im Sozial- oder Pflegebereich? Auch mit Fragen zur familiären und finanziellen Situation musst du rechnen: Sind deine Kinder betreut? Hast du Zeit und Ruhe zum Lernen? Da das Ausbildungsgehalt oft nicht hoch ist: Wie sorgst du für deinen Lebensunterhalt? Abschließend stellen Einrichtungs- und Schulleiter Fragen zu deiner Persönlichkeit und zu deiner gesundheitlichen Verfassung: Was sind deine Stärken und Schwächen? Wie gehst du mit stressigen und belastenden Situationen um?

Ich habe einen ausländischen Abschluss in einem Sozial- oder Pflegeberuf. Kann ich damit in Deutschland als Quereinsteiger anfangen?

Hast du einen Abschluss in einem Sozial- und Pflegeberuf, nimm am besten schon vom Heimatland aus Kontakt zu einer Anerkennungsstelle in Deutschland auf: Infos zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse gibt's bei der Zentrale Anlaufstelle Anerkennung der Diakonie Hamburg, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder beim örtlichen Migrationsfachdienst. Oft werden ausländische Abschlüsse leider gar nicht oder nur teilweise anerkannt und unterwertig bezahlt. Es wird daher empfohlen, die reguläre Ausbildung in Deutschland nachzuholen. An einigen Schulen kannst du eine Verkürzung der Ausbildung beantragen. Generell ist entscheidend für deine Karriere in Deutschland, wie gut du die deutsche Sprache beherrschst:  Es kommt ja darauf an, dass du die Wünsche der Menschen verstehst, mit denen du arbeitest.

Wie kann ich meinen künstlerischen Erstberuf (Grafik Designer, Kunstwissenschaftler, etc.) mit der Arbeit mit Menschen kombinieren?

Kreativität ist in vielen sozialen Berufen gefragt: Als Altenpflegerin kannst du alten Menschen Kunstkurse geben, als Erzieherin kannst du Kunst- und Werkstättenprojekte mit Kindern anbieten, als Ergotherapeutin kannst du mit Menschen mit Behinderung künstlerische Freizeitgestaltung oder künstlerische Arbeit in Behindertenwerkstätten machen. Allerdings ist die Kunst hier immer nur ein Aspekt der ganz normalen Arbeit – Pflege und Betreuung stehen im Vordergrund. Du müsstest also eine ganz normale Sozial- oder Pflegeausbildung machen und dann eigenständig versuchen, die Kunst zu deinem Spezialgebiet zu machen, z.B. auch durch eine Weiterbildung zum Kunsttherapeuten. Eine speziell konzipierte Ausbildung für Quereinsteiger, die  handwerklich oder künstlerisch erfahren sind, ist die Ausbildung zum Arbeitserzieher. Umgekehrt kannst du einen kreativen Studiengang belegen, dir durch einen Freiwilligendienst, ein Ehrenamt oder Praktika die Tür in soziale Einrichtungen öffnen und dann auf selbstständiger/freiberuflicher Basis Kunstkurse anbieten.

Kann ich mit einer pädagogischen Qualifikation (z.B. Lehramtsstudium) eine Stelle im sozialen Bereich (zum Beispiel Jugendarbeit) bekommen?

Das kommt ganz auf die Einrichtung an. Eigentlich braucht man im Jugendbereich eine Erzieherausbildung mit Schwerpunkt Jugendarbeit oder ein Studium der Sozialen Arbeit. Weil der  Fachkräftemangel an Sozialarbeitern noch nicht so hoch ist, würden Einrichtungen wahrscheinlich einen Bewerber bevorzugen, der die passende Ausbildung hat. Trotzdem solltest du dich als Quereinsteiger davon nicht abschrecken lassen: Oft entscheiden Kommunen, karitative Einrichtungen und Jugendhäuser individuell über die Einstellungsvoraussetzungen. Hast du schon Vorerfahrungen in einer solchen Einrichtung? Dann dürftest du auch ohne die konkrete Ausbildung eine Stelle bekommen! Am besten fragst du bei der Einrichtung nach, ob gerade eine Stelle frei ist und ob du dich weiterqualifizieren müsstest. Willst du allerdings in den Pflege- und Gesundheitsbereich quereinsteigen, führt dein Weg an einer klassischen Ausbildung nicht vorbei.

Welche Chancen gibt es für Quereinsteiger noch?

Wer sich beruflich völlig neu orientieren oder eine Auszeit von dem nehmen möchte, was er gerade macht, kann sich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) bewerben. Für den BFD gibt es keine Altersbeschränkung und du hast die Gelegenheit herauszufinden, ob du in den sozialen Bereich passt. Der BFD macht sich gut im Lebenslauf und kann dir für eine spätere Ausbildung im sozialen Bereich viele Türen öffnen.

 

Für die Antworten danken wir (u.a.) den Experten Daniela Schmidt vom Fachschulzentrum Gesundheitsberufe der Diakonie Hannover, Margret Afting-Ijeh vom Rauhen Haus in Hamburg und Paul Ebsen von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Auf einen Blick

Bewerbungstipps für Quereinsteiger

Test: Bin ich der Typ für den Quereinstieg in die sozialen Berufe?

Mehr Infos für Quereinsteiger mit ausländischen Abschlüssen in unserem SPECIAL "Mit Migrationshintergrund in die Sozial- und Pflegeberufe"


 

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